Wo die Stracke noch fair geteilt wird
Chor feiert 100-jähriges Bestehen – Landrat überreicht
silberne Ehrenplakette des Ministerpräsidenten
Obersuhl–Dass es in Obersuhl einen seit 100 Jahren bestehenden, gleichwohl quicklebendigen und erstklassigen Posaunenchor gibt, hat sich ganz offensichtlich bis in die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden herumgesprochen. Hatte doch Landrat Torsten Warnecke am Freitagabend beim Jubiläumskonzert der Bläservereinigung in der bis auf den letzten Stehplatz besetzten Turnhalle der Grundschule am Rhäden die Ehre und das Vergnügen, dem Vorsitzenden des 1925 gegründeten Evangelischen Posaunenchors Obersuhl, Matthias Reuter, in Anerkennung der Verdienste des Chores die Silberne Ehrenplakette des Hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein zu überreichen.
„Die kriegt nicht jeder, da muss man schon was geleistet haben“, betonte der Chef der Kreisverwaltung, der das eineinhalbstündige Konzert und die festliche Stimmung genoss und hervorhob: „Musik hält ganz offensichtlich jung, vor allem dann, wenn man gemeinsam musiziert.“ Um den Gemeinschaftsgedanken zu fördern, gab es von ihm wie immer eine Stracke – eine für Reuter, eine für den seit 20 Jahren amtierenden Chorleiter Thorsten Gräf. Beide versprachen zu teilen. Ähnlich äußerte sich der aus dem Jubiläumschor hervorgegangene Inspirator des Chors der Modell- und der Gesamtschule Obersberg, Ulrich Meiß, der mit über 100 Schülerinnen und Schülern und zum Anlass und zur Jahreszeit passenden Liedern den in erster Linie natürlich vom Posaunenchor gestalteten Abend in ganz wunderbarer Weise mitgestaltete. Moritz Gießler, Reuters junger Stellvertreter, hatte ihm „Taktstock und Ansatzwasser“ überreicht und ihn dazu animiert, die Meiß’sche „Trompete vom Speicher“ zu holen und spätestens im Lehrer-Ruhestand wieder aktiv mit dabei zu sein.
Aktiv mit dabei in der jungen Garde des Posaunenchors sind Hannah-Sophie Reuter und Luis Link, die das Publikum nach dem festlich dargebrachten Eröffnungsstück „Kommet ihr Hirten“ begrüßten und informativ durch den Abend führten. In dem spannten die Jubilierenden einen musikalischen Bogen vom fröhlich-aufgeweckten Stück „Steppin Out“, dem 428 Jahre alten, anspruchsvollen Bläseroktett „Canzon septime toni No 2“ über südamerikanische Weisen, „El Condor Pasa“ etwa, bis hin zu weihnachtlichen Werken, bei denen Carl-Ole Coijanovic die Bläser und Bläserinnen dirigierte. Mal spielten sie besonders gefühlvoll, mal überaus effektvoll, beim gern gehörten „Little Drummer Boy“ etwa, bei dem der schmunzelnd als „nicht mehr ganz so little“ bezeichnete Frederic Walendczus die Trommel schlug.
Der Obersberg-Chor zelebrierte „Evening Rise“ und zündete mit seinem Gesang alsdann „Lichter der Freude“ an. Am Piano von Christoph Willi Müller immer wieder stimmungsvoll begleitet und mit solistischen Einlagen ausdrucksvoll bereichert, erzählte er unter anderem vom Wunder der Nacht, von Maria, die durch den Dornwald ging, von Winternächten, vom „Christmas Lullaby“, vom „Jolly Old St. Nickolas“ und natürlich läuteten auch die „Jingle Bells“. Den vor und am Rande der Bühne stehenden jungen Menschen sah man an, wie viel Freude ihnen das Singen bereitet und das honorierte natürlich auch das Publikum. Deshalb ging es nach dem von Chor, Posaunenchor und (!) Publikum gemeinsam „performten“ Weihnachtslied „Feliz Navidad“ nicht ohne Zugabe ab: „Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen, und bis wir uns wiederseh’n, möge Gott seine schützende Hand über dir halten“ – ein Wunsch, der in den Herzen ganz vieler auch und gerade dem Posaunenchor galt.
WILFRIED APEL
Tradition trifft Nachwuchs
Posaunenchor in Obersuhl feiert sein 100-jähriges Bestehen
Obersuhl – So manchem erscheint ein Posaunenchor vielleicht als unmodern und aus der Zeit gefallen. In Obersuhl kann man sich das nicht vorstellen. Bei den „Fettfüchsen“ blüht nicht nur die Blasmusik ganz allgemein immer wieder neu auf, sondern gerade auch die Musik, die zum Lobe Gottes erklingt. Seit 1925 treibt sie allerschönste Blüten, und deshalb feiern die seit zwei Jahrzehnten vom Multitalent Thorsten Gräf inspirierten Bläser und Bläserinnen des Evangelischen Posaunenchors das 100-jährige Bestehen ihrer Vereinigung ganz groß.
Am Freitag, 12. Dezember, 19 Uhr, laden sie bei freiem Eintritt unter dem Motto „Lobet den Herrn mit Trompeten und Posaunen, jauchzet vor dem Herrn, dem König“ zu einem festlichen Jubiläumskonzertabend in der Turnhalle der Grundschule am Rhäden ein. Mitgestaltet wird die Feier, die die Schönheit der Musik in all ihren Facetten erlebbar machen will, vom Chor der Bad Hersfelder Modell- und Gesamtschule Obersberg, natürlich unter der Leitung von Ulrich Meiß, einem „alten“ Obersuhler Posaunenchor-Gewächs.
„Ein ganzes Jahrhundert voller Musik, Gemeinschaft und gelebter Tradition liegt hinter uns – ein stolzes Erbe, das wir mit Freude und Dankbarkeit feiern wollen“, so fasst der 52-jährige Trompeter Matthias Reuter die Empfindungen der Bläser und Bläserinnen zusammen. 1983, im Alter von gerade einmal zehn Jahren, hat er, wie das damals mehr oder weniger üblich war, angefangen. Seit 2011 amtiert er als Vorsitzender des Posaunenchors.
Im Normalfall sind es rund 30 Personen, die donnerstagsabends im Gemeindehaus proben und pro Jahr rund 120 Auftritte absolvieren, darunter etwa 50 Geburtstagsständchen und 25 Gottesdienste und Andachten, aber eben auch 45 Übungsstunden. Im Sommer finden die, wenn schönes Wetter herrscht, durchaus auch mal als „Gartenproben“ statt, bei denen es „nach getaner Arbeit“ Leckeres zu essen und zu trinken gibt.
„Ganz besonders am Herzen liegt uns die Integration jüngerer Musiker und deren kontinuierliche Förderung“, betont Reuter. Von daher verwundert es nicht, dass bei den Obersuhlern zwischen „alten“ Damen und Herren auch zwei Elfjährige sitzen, Paula Thenert und Henry Siebert.
Befragt, warum er schon so lange mit dabei ist und auch Verantwortung übernommen hat, sagt Reuter: „Ich schätze das Spielen im Posaunenchor, weil es Tradition und Musik auf besondere Weise verbindet. Es bereitet mir Freude, regelmäßig gemeinsam mit anderen zu üben, Stück für Stück zu verbessern und ein harmonisches Klangbild entstehen zu sehen. Bei Konzerten oder in der Gemeinde aufzutreten, gibt mir das Gefühl – und ein klein wenig bin ich insoweit auch stolz, Teil einer lebendigen Gemeinschaft zu sein, die über Jahre hinweg Bestand hat.“
Musik verbinde Menschen, schenke Freude und schaffe Erinnerungen, die bleiben. „Letztendlich ist Im-Posaunenchor-Spielen auch Verkündigung und gelebte Nächstenliebe – auch das ist mir wichtig“, sagt Reuter.
Seinen Mitstreitern und Mitstreiterinnen dürfte es ähnlich gehen. Auch wenn der neben dem Jubilar Thorsten Gräf und der seit 2017 als stellvertretende Chorleiterin wirkenden Heike Gerlach mitunter einspringende Carl-Ole Coijanovic bei einer Probe schon mal sagt: „Der Übergang war mir etwas zu schwammig.“ Und Paula Thenert schmunzelnd feststellt: „Meistens sind wir ihm zu laut.“
WILFRIED APEL
Jubiläumskonzert
100 Jahre Evang. Posaunenchor Obersuhl
Nach unserem Festgottesdienst im Mai, der die Feierlichkeiten zu 150 Jahren Musik in Obersuhl eröffnete, laden wir euch herzlich zu einem weiteren Höhepunkt unseres Jubiläumsjahres ein:
Das Jubiläumskonzert zum 100-jährigen Bestehen des
Evangelischen Posaunenchores Obersuhl
Ein ganzes Jahrhundert voller Musik, Gemeinschaft und gelebter Tradition liegt hinter uns – ein stolzes Erbe, das wir mit Freude und Dankbarkeit feiern. Dieser besondere Abend wird die Kraft und Schönheit der Musik in all ihren Facetten erlebbar machen. Gemeinsam mit den Sängerinnen und Sänger der Modell- und Gesamtschule Obersberg unter der Leitung von Ulrich Meiß möchten wir euch auf eine musikalische Reise voller Glanzlichter und bewegender Momente entführen.
Wann: Freitag, 12. Dezember 2025, 19:00 Uhr
Wo: Turnhalle der Grundschule am Rhäden, Obersuhl
Vor und nach dem Konzert ist für euer leibliches Wohl bestens gesorgt. Feiert mit uns 100 Jahre Evangelischer Posaunenchor Obersuhl und die reiche Musiktradition unserer Heimat – ein Abend voller Klang, Freude und gemeinsamer Erinnerung erwartet euch.